Pestwurz

Die Pestwurz ist ein Strauch, der in ganz Europa gedeiht. Aus den Blättern der Pflanze können medizinisch wirksame Extrakte gewonnen werden, die unter anderem bei Heuschnupfen und Migräne wirksam sein sollen. Wir haben die Studienlage zur Pestwurz analysiert und Fakten zu Wirkung, Nebenwirkungen, Anwendung und Dosierung zusammengestellt.

Pestwurz
von Christian Hummert (Ixitixel) (Eigenes Werk) [CC BY 2.5], via Wikimedia Commons
Die Pestwurz (Petasites hybridus; engl.: Butterbur) bildet eine Pflanzengattung in der Familie der Korbblütler. Sie gedeiht in ganz Europa, vorwiegend an Bächen und Flüssen.

Ihre Blätter erreichen bis zu 30 cm im Durchmesser und gehören zu den größten des europäischen Pflanzenreichs. Die Pflanze verströmt einen eher unangenehmen Duft. Die Heilpflanze wurde bereits in der Antike gegen Schmerzen und Krämpfe eingesetzt.

 

Medizinische Verwendung der Pestwurz

Das Hauptanwendungsgebiet von Petasites-Extrakten liegt in der Vorbeugung von Migräne und anderen Kopfschmerzformen. Des Weiteren findet die Pestwurz Anwendung bei allergischer Rhinitis (Heuschnupfen).

Weitere Anwendungsgebiete:

  • Magenschmerzen
  • Geschwüre
  • Ängste
  • Fieber
  • Schlafprobleme
  • Husten
  • Asthma

 

Wirkung der Pestwurz

Heuschnupfen und Allergien

Extrakte aus der Pestwurz sind im Vergleich mit anderen alternativmedizinischen Arzneimitteln in dieser Indikation klinisch gut dokumentiert.

Sie gelten als ähnlich gut wirksam wie Antihistaminika, wobei gleichzeitig weniger Müdigkeit auftritt. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Verdauungsbeschwerden und es besteht ein theoretisches Risiko für Leberschädigungen. Diese treten jedoch nur sehr selten auf.

Als pharmakologisch aktive Substanzen der Pestwurz wurden etwa 20 isomere Sesquiterpenester wie Petasin, Neo- und Isopetasin identifiziert. Diese haben eine entspannende Wirkung auf die Muskeln und werden daher zur Behandlung von Asthma, Migräne und Muskelspasmen verwendet.

Forschungen deuten an, dass Petasine die Produktion von Entzündungsstoffen (wie Histamin) hemmen können. Das bekannteste Extrakt ist Ze339, welches 2003 in der Schweiz zur Behandlung der allergischen Rhinitis zugelassen wurde.

In Studien bewirkte dieses Extrakt eine deutliche Verbesserung der gesamten Symptome, mit einer ähnlich guten Wirkung wie gängige Allergiemedikamente.[1,2,3]

Pestwurz
By Richard Bartz, Munich aka Makro Freak (Own work) [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

Pestwurz bei Migräne

Schon im Altertum wurden Blüten, Blättern und Wurzeln der Pestwurz von Heilern gegen Kopfschmerzen und Migräne angewendet. In der Alternativmedizin wird die Pflanze heute wegen ihrer krampflösenden und schmerzstillenden Wirkung geschätzt.

Die Effekte gehen auf die Chemikalien Petasin und Isopetasin zurück. Große Studien aus Deutschland und den USA belegen die sehr gute klinische Wirksamkeit der Pflanze.

In einer Untersuchung mit über 200 Probanden konnte bei über 71% der Patienten die Migränehäufigkeit um über 50% reduziert werden. Am effektivsten zeigten sich Produkte mit mindestens 15% Petasingehalt, die über eine Dauer von 3 Monaten eingenommen wurden. [4,5,6]

 

Asthma

Bezüglich der Wirkung gegen Asthma ist die Studienlage gering. Eine kleine Untersuchung mit 16 Probanden ergab Verbesserungen der bronchialen Hyperreaktivität. [7]

In einer weiteren Studie wurden deutliche Rückgänge der Asthmaattacken beobachtet, nachdem die Probanden mit einem Pestwurz-Extrakt behandelt wurden. [8]

 

Nebenwirkungen

In seltenen Fällen kann es zu leichten Magenbeschwerden kommen. Über Magenschleimhautentzündungen gibt es keine Berichte.

In einem sehr seltenen Fall (weniger als 0,001 Prozent) gab es womöglich einen Zusammenhang mit der Anwendung von Pestwurz über mehr als fünf Wochen und einer Leberentzündung mit Gelbsucht, die sich nach Absetzen vollständig zurückgebildete. Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind bisher nicht bekannt geworden.

Die Pflanze gilt allgemein als sehr gut erforscht. Neben Petasinen enthält sie auch Pyrrolizindinalkaloide. Diese Stoffe können leberschädigend und möglicherweise krebserregend wirken.

In kommerziellen Supplementen sollten diese Bestandteil aber entfernt worden sein. Die Pflanze sollte deshalb nur in Form von Präparaten konsumiert werden, die als „PA-frei“ beschrieben werden.

 

Dosierung

Heuschnupfen: 58 mg des gereinigten Blattextraktes, mit 8 mg der Petasine, dreimal täglich eine Tablette.

Migräne: 50 mg des gereinigten Trockenextraktes zweimal täglich.

 

Anwendung, Einnahme und Pestwurz Tee

Üblicherweise werden Extrakte der Pflanze zu medizinischen Zwecken in Kapsel- oder Tablettenform gemäß der oben genannten Dosierung eingenommen.

Alternativ kann auch Pestwurz Tee konsumiert werden. Dieser wird vor allem bei Krämpfen, Migräne und Asthma angewendet.

Am besten wird dieser mit ein wenig Honig eingenommen, vor allem wenn ein beruhigender Effekt erzielt werden soll. Der Tee kann sowohl kalt als auch warm getrunken werden.


Studien:
1 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16114089
2 http://www.bmj.com/content/324/7330/144
3 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15611396
4 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14752215
5 https://www.researchgate.net/
6 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15836592
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14720270
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15005644