Alpha-Liponsäure – Wirkung & Anwendung

Alpha-Liponsäure

von Jü (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

Alpha-Liponsäure ist ein vom Körper selbst hergestelltes Antioxidans. Es wirkt in den Zellen direkt, wo es Glucose in Energie umwandelt.

Antioxidantien wirken gegen sogenannte freie Radikale. Dies sind Abfallprodukte des Stoffwechselprozesses. Sie können schädigend auf Zellen einwirken und den Körper anfälliger für Infektionen machen.

Die meisten Antioxidantien wirken nur in wässrigem Milieu oder in Fettgewebe. Alpha-Liponsäure wirkt jedoch in beidem und somit im ganzen Körper.

Alpha-Liponsäure wird oft mit Alpha-Linolsäure verwechselt. Bei Letzterer handelt es sich jedoch um eine Omega-3-Fettsäure. Die Verwechslung kommt daher, da beide Stoffe manchmal mit ALA abgekürzt werden.

 

Medizinische Verwendung:

  • Diabetische Neuropathie
  • Gedächtnisverlust
  • Übergewicht
  • Chronische Müdigkeit
  • HIV/Aids
  • Herz- und Kreislauferkrankungen
  • Augenerkrankungen
  • Migräne

 

Wirkung von Alpha-Liponsäure im Detail

 

Diabetische Neuropathie

Alpha-Liponsäure ist in jeder menschlichen Zelle an unzähligen Prozessen beteiligt. Was die Menge an Forschungsarbeit angeht, ist ALA das beste Nahrungsergänzungsmittel bei diabetischer Neuropathie.

Mittlerweile wurden mehr als 15 randomisierte Studien zur Wirkung von 300-600 mg ALA täglich über einen Zeitraum von 2-4 Wochen bei Neuropathie-Patienten durchgeführt. Die Nervenleitfähigkeit verbesserte sich und die Symptome der Neuropathie reduzierten sich signifikant.

Eine große Metaanalyse zur Wirksamkeit von Alpha-Liponsäure mit insgesamt über 1.200 Neuropathie-Patienten ergab einen deutlichen Rückgang der neuropathischen Symptome wie Taubheit, Schmerzen und Kribbelgefühle nach dreiwöchiger Infusionsbehandlung mit 600 mg ALA täglich.[1]

Andere Studien untersuchten die Wirksamkeit bei oraler Einnahme in Form von Tabletten. Auch hier verbesserten sich die Beschwerden nach etwa 4 bis 6 Monaten, wobei täglich 800 bis 1800 mg eingenommen wurden.[2]

 

Alpha-Liponsäure bei Übergewicht

ALA steht im Verdacht, das Enzym AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK) zu aktivieren und somit den Stoffwechsel zu beschleunigen.

In einer Studie mit 1100 Teilnehmern führten 800 mg eines ALA-Mittels (Liponax) zu gemindertem Appetit, Gewichtsverlust (8-9%) und einer Verringerung des Hüftumfangs (6-11cm).

In einer weiteren placebo-kontrollierten Studie konnten adipöse, diabeteskranke Erwachsene ihr Gewicht durch die Kombination aus hypokalorischer Diät und ALA (1800 mg/Tag über 20 Wochen) signifikant reduzieren: 22% der Teilnehmer verloren mehr als 5% ihres Körpergewichts.[3]

 

Migräne

Eine Pilotstudie suggeriert, dass Alpha-Liponsäure (600 mg/ Tag über mindestens 3 Monate) die Häufigkeit, Dauer und Schwere von Migräneanfällen verringert.[4]

Dieses Ergebnis muss allerdings noch durch weitere Untersuchungen bestätigt werden. Allerdings ist ALA bei dieser Dosierung relativ sicher und einen Versuch wert.

 

Schlaganfall und Hirnfunktion

Da Alpha-Liponsäure sehr schnell ins Hirn gelangt, kann es dort schützend auf Zellen und Nerven wirken.

Forscher untersuchen momentan, ob sich das Antioxidans zur Behandlung von Schlaganfällen und anderen Krankheiten, wie Demenz, eignet. Im Moment ist die Beweislage dazu allerdings recht dünn.

 

Weitere mögliche Effekte

Frühe Forschungsergebnisse deuten an, dass Alpha-Liponsäure bei grünem Star helfen kann. Jedoch ist es hier noch zu früh, um von einem wirklichen Beweis zu sprechen.

Ähnlich verhält es sich bei einer möglichen verjüngenden Wirkung auf die Haut.

Weitere mögliche Effekte, bei denen aber noch mehr Forschung von Nöten ist, sind etwa gegen Krebs oder erektile Dysfunktion.

 

Dosierung, Einnahme, Anwendung

Vorkommen in Lebensmitteln

ALA wird im menschliche Körper primär von der Leber produziert. Außerdem kann die Substanz durch die Nahrung aufgenommen werden

Alpha-Liponsäure findet sich in Lebensmitteln, wie rotem Fleisch, Leber und anderen Innereien und Hefe, vor allem Bierhefe. Es ist auch in Gemüse, wie Brokkoli, Spinat, Tomaten oder Sprossen zu finden.

Die Menge aus der Nahrung wird jedoch für einen therapeutischen Nutzen niemals ausreichen. Außerdem nimmt die körpereigene Produktionsfähigkeit im Alter ab.

Dosierung bei Erwachsenen

Bei Diabetes und Neuropathie wurden in Studien bis zu 1800 mg täglich eingenommen. Jedoch können bei solchen Mengen Nebenwirkungen auftreten. Dosierungen bis zu 600 mg täglich erwiesen sich in Untersuchungen als sicherer und ebenso effektiv.

Am besten wird Alpha-Liponsäure auf leeren Magen, etwa 30-60 Minuten vor einer Mahlzeit eingenommen.

Bei Kindern

Die Anwendung bei Kindern war bislang nicht Teil wissenschaftlicher Studien. Aufgrund dessen sollte von der Einnahme bei Kindern abgesehen werden.

 

Nebenwirkungen

Es empfiehlt sich generell, vor der Einnahme einen Arzt zu Rate zu ziehen, da Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten nicht auszuschließen sind.

Es ist bislang nicht abschließend geklärt, ob die Einnahme für Schwangere und stillende Mütter geeignet ist.

In seltenen Fällen können Nebenwirkungen, wie Schlafprobleme, Müdigkeit oder Durchfall auftreten. Außerdem kann Alpha-Liponsäure den Blutzuckerspiegel senken.

Studien deuten an, dass die Einnahme bei Personen mit Vitamin B1- Mangel gefährlich sein kann.

Zu beachten ist auch, dass sich der Geruch des Urins verändern kann (ähnlich wie bei Spargel). Dies ist jedoch völlig unbedenklich.

 

Wechselwirkungen mit anderen Stoffen

Personen, die folgende Medikamente einnehmen, sollten unbedingt vor der Einnahme von Alpha-Liponsäure mit ihrem Arzt mögliche Gefahren abklären:

  • Medikamente gegen Diabetes
  • Medikamente, die bei einer Chemotherapie eingenommen werden
  • Schilddrüsenmedikamente
  • Vitamin B1 aufgrund eines Mangels

Quellen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22331979
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10595592
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21187189
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20464605